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Samstag, 31. Dezember 2016

HUSTEN - Kurlaub für Pferde mit tiefen Atemwegserkrankungen in Brandenburg

Wer ein Pferd hat, welches auf Heustaub oder Stroh allergisch durch Husten, bzw. Ausfluss aus den Nüstern reagiert, der weiss, wie sehr diese Situation Pferd und BesitzerIn belasten kann.
Denn aus dieser Situation kann eine chronische Erkrankung werden bis hin zur Dämpfigkeit. Der Husten ist ja dabei nur ein Teil der Symptome. Zusätzlich kommt es zu Leistungsabfall und einer flachen Atmung. Im Besten Fall zu Schleim, der aus den Nüstern läuft.
Wir reden hier von einer Atemwegserkrankung der tiefen Atemwege.

Diese Situation begegnet vielen PferdebesitzerInnen immer wieder bei feuchtem und kaltem Winterwetter.

Aus Erfahrung kenne ich selber diese Situation und wie machtlos man dem gegenüber stehen kann, wenn auch vom Tierarzt verschriebene Mittel keinen wirklichen Erfolg bringen.
Diese Situation hat dazu geführt, dass ich mich intensiver mit Ursachen und deren Behandlung auseinandergesetzt habe, vorzugsweise mit biologischen Therapien.



Dazu empfehle ich zunächst, der Ursache auf den Grund zu gehen. Die Ursache ist oft nicht nur eine, sondern vielfältig. Diese Checkliste soll helfen, die Wurzel des Übels zu finden:

  • Haltung. Ist ausreichend Frischluftzirkulation vorhanden? Es gibt auch hier gute Laufstall bzw. Boxenhaltungen, die diese Notwendigkeit berücksichtigen. 
  • Auslauf/ Weide. Besteht ausreichend Möglichkeit, dass das Pferd draussen sein kann? Zu wenig Auslauf gibt es dabei nicht. 
  • Stress. Viele Situationen können Stress beim Pferd auslösen: Starke Fluktuation in einer Gruppe, Stallwechsel, Trainingsbedingter Stress, usw. Alles Faktoren, die wir selbst gesunden Pferde nicht aussetzen möchten.
  • Bewegungsmangel. 
  • Einstreu. Welche Einstreu wird genutzt?
  • Stallhygiene. Unzureichende Stallhygiene begünstigen die Anfälligkeit für unterschiedliche Erkrankungen.
  • Qualität Rauhfutter. 
  • Fütterung.
Es ist oft nicht nur ein Punkt, der zu dieser Situation führen kann. Meist sind es Kombinationen.
Dadurch ergeben sich vielfältige Heilungsmöglichkeiten. In jedem Fall sollte ein Tierarzt konsultiert werden, um weitere Maßnahmen nebst der Medikamentengabe in Betracht zu ziehen. Dazu kann neben der medikamentösen Behandlung u.U. auch eine Diagnose mittels Endoskopie gehören.

Ein Medikament behandelt das Symptom, nicht aber die Ursache.

Diese Symptombehandlung ist natürlich wichtig, dennoch sollte so schnell als möglich auch weitere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, da eine solche Behandlung längerfristig gehen kann.
  • Alternative Heilungsmethoden wie Hömöopathie
  • Futterumstellung
  • Einstreuumstellung
  • Haltungsänderung
  • Stallwechsel
  • Inhalation (Vorzugsweise mit einem Ultraschallvernebler, dessen vernebelte Teilchen bis in die Alveolen reichen)
  • Stallhygiene
  • Schleimlösung (auch durch die Möglickeit, dass das Pferd seinen Kopf so tief wie möglich trägt und in einer Umgebung steht, die ausreichend Frischluftzirkulation bietet).
  • Angepasste Bewegung
  • Qualtitätsrauhfutter
  • Stressreduktion
  • Heubedampfung
  • Heufütterung mit Staubreduktion und bodennah
Im Beispiel meines Pferdes haben wir fast alle o.g. Punkte angepasst. Die Situation war so schlecht, dass sogar die Heubedampfung keine Verbesserung bewirkte und Heulage gefüttert werden musste, welche allerdings u.a. zu einer Kryptopyrrolurie führte.
Dieses Pferd hat jetzt keine Probleme mehr und kann regulär mit Heu gefüttert werden.

Mir ist bewusst, dass nicht jeder Pferdebestitzer und Pensionspferdehalter die Möglichkeit hat, einen Stallwechsel vorzunehmen oder Einfluss auf die Stallhygiene, der Einstreu oder der Rauhfutterqualität hat. 

Dennoch bieten wir beim Horsemanshipcenter durch Rekonvaleszenzaufenthalte auch Pferdehaltern die Möglickeit, wenigstens für eine Verbesserung oder sogar Genehsung das Pferd bei uns einzustellen. Dabei bleibt das Pferd für einen befristeten Zeitraum hier beim Horsemanshipcenter und profitiert von unseren Erfahrung zu diesem Thema, die speziell für dieses Krankheitsbild angepassten Haltungsbedingungen und Lage. 

Bei Fragen zu einem Kurlaub für Ihr Pferd oder Fragen zu diesem Artikel kontaktieren Sie uns einfach per Email. Gerne schicken wir Ihnen hierzu weitere Informationen. Auch bei Fragen, kontaktieren Sie uns einfach per Email:

Info@Horsemanshipcenter.com

Dienstag, 13. September 2016

Erschienen am 29.08.2016 bei

 

Warum Stallhygiene wichtig ist



Mangelnde Wertschätzung bei der Stallhygiene

So richtig redet niemand darüber. Stallhygiene wird kaum je erörtert und es ist unklar, wie sehr diesem Aspekt in den einzelnen Betrieben Wertschätzung entgegen gebracht wird. Ein verantwortungsvolles Stallmanagement nimmt dieses Thema sehr ernst, denn schließlich geht es um die Gesundheit der eingestallten Tiere und derer, die diese Tiere täglich händeln, beziehungsweise Arbeiten im und um den Stall verrichten.
Natürlich ist Stallhygiene mit Aufwand verbunden. Zeitlich und finanziell.
Wünschenswert wäre es daher, dass sich auch Einsteller mit dem Thema intensiver auseinandersetzen. Denn erfahrungsgemäss werden bei der Wahl des passenden Stalls vor allem Fragen zu Preisen, Haltung und Rauhfütterung gestellt. Der Stallhygiene wird dabei kaum je Aufmerksamkeit geschenkt.

Was heisst Stallhygiene eigentlich?

Stallhygiene ist je nach Anlage in Art und Umfang bedarfsgerecht anzupassen.
Horsemanshipcenter
Das Horsemanshipcenter von Klaudia und Thomas Duif, Tanja Bever und Lance Minnick

Wir vom Horsemanshipcenter beachten dabei Folgendes:

  1. Urinstellen in den Stallungen werden wöchentlich intensiv entfernt, gereinigt und zum Trocken freigelegt. Die offenen Bereiche werden gekalkt.
  2. Wir verwenden ausschließlich Strohpellets als Einstreu. Denn Strohpellets haben eine hohe Saugkraft, stauben nur sehr wenig, trocknen die Hufe nicht aus, sind gut zu misten, haben ein geringes Mistvolumen und sind ökologisch durch Verwendung als Kompost einwandfrei vertretbar. Denn Einstreu mit Holzanteil hat im Gegensatz zu Strohpellets ein ungünstiges C (Kohlenstoff):N (Stickstoff) Verhältnis und der pH-Wert rutscht meist in den sauren Bereich.
  3. Wir sorgen dafür, dass unser Mist bester Kompost ist, der zur Düngung der Weiden dient, die nicht in Gebrauch sind. Ein Pferd produziert jährlich ca. 11t Mist plus Einstreu. Damit der Mist kein Abfallprodukt ist, sondern natürlicher Dünger, verwenden wir Plocher und der Misthaufen wir regelmäßig durchmischt, damit er dank Sauerstoff rottet und nicht fault. Bei der Kompostierung kontrollieren wir regelmäßig den pH-Wert. Kompost sollte einen pH-Wert von 7-9 aufweisen. 
  4. Weidemanagement ist ein weiterer Aspekt. Wir achten darauf, dass die Weiden regelmäßig gewechselt, abgeschleppt und gemulcht werden. So können wir eine Überweidung bzw. Geilstellen kontrollieren und Weiden können sich erholen.
  5. Der Pferdebestand wird regelmäßig entwurmt.
  6. Futter wird ausschließlich in dichten Tonnen aufbewahrt. Wir haben bei uns fast keine Mäuse und keine Ratten.
  7. Rauhfutter wird täglich kontrolliert. Wir legen Wert auf beste Lieferanten, bzw. decken einen Teil des Jahresbedarfs mit eigener Heuproduktion ab. Da es sich bei Rauhfutter um ein Produkt handelt, welches starken Schwankungen unterworfen ist, kann es auch vorkommen, dass Rauhfutter nicht unseren Qualitätsansprüchen entspricht – auch vom besten Lieferanten. Solche Ausnahmen werden entsorgt.
  8. Der Heuboden wird regelmäßig von Staub gereinigt.
  9. Angebrochene Rauhfutterballen werden bei Bedarf aufgeschüttelt, damit der erste Staub entfernt wird.
  10. Fütterung von Rauhfutter erfolgt in engmaschigen Heunetzen im Slow-Feeder System. So trennt sich nochmals Staub vom Heu. Der Rauhfutterbereich in den Stallungen wird täglich gereinigt.
  11. Wassertränken werden wöchentlich oder nach Bedarf gereinigt, das gilt auch für die Wasserstellen auf den Weiden. Keine veralgten oder stinkenden Tränken.
  12. Die Futterkammer wird ebenfalls staubfrei gehalten und wöchentlich gereinigt.
  13. Futterbehälter werden wöchentlich oder nach Bedarf gereinigt.

Qualität ist nicht zum Discountpreis zu haben

Man kann erahnen, dass Stallhygiene Aufwand ist. Auch deshalb bieten wir unsere Pensionspferdeplätze nicht für einen Discounterpreis an.
Unrealistisch tiefe Einstellpreise haben immer einen Preis; diesen bezahlen - mit ihrer Gesundheit - die Pferde oder die Menschen, die mit den Pferden umgehen.
Ich hoffe, der Artikel hat Dein Interesse geweckt, der Stallhygiene diejenige Aufmerksamkeit zu schenken, der sie bedarf.
Was ist DIR diese Stallhygiene wert?

Die Box ist gereinigt
Die Box ist gereinigt. Die Urinstellen können austrocknen
Gekalkte Urinstelle
Die Urinstellen sind gekalkt
Rotteförderung bereit zum Aufsprühen.
Die Rotteförderung steht bereit zum Aufsprühen.
Rotteförderung wird aufgesprüht
Die Rotteförderung wird aufgesprüht
Fertige Box mit Einstreu
Die fertige Box mit Einstreu
Gereinigte Futterkammer. Verschlossene Futtertonnen und abgedeckte Futterrationen.
Die gereinigte Futterkammer: Verschlossene Futtertonnen und abgedeckte Futterrationen.
Neue Einstreu im Laufstall.
Neue Einstreu im Laufstall.
Verteilen der Einstreu im Laufstall.
Verteilen der neuen Einstreu im Laufstall.
Fotos: Klaudia Duif, Thomas Duif 

Freitag, 19. Juni 2015

Pensionspferdehaltung. Ein paar provokative Gedanken...

"Wir bieten Offenstall, Premium Heu und Heulage, Aktivstall, Individualhaltung, Ausreitgelände, Reitplätze, Solarium, Reithalle, Round-pen, idyllische Lage, nur 5 km von der Stadt entfernt, Vollpension für €200,00".

Da möchte doch jemand sofort sein Pferd unterstellen oder nicht? Klingt wie die Eier legende Wollmichsau.

Realistisch gesehen gibt es so etwas nicht. Jedenfalls nicht in der Kombination, ohne dass hier Kompromisse gemacht werden, die auf dem ersten Blick für den Pferdehalter nicht ersichtlich sind.
Betriebe, die unterhalb der Wirtschaftlichkeit arbeiten, müssen früher oder später schliessen.  In Deutschland gibt es leider sehr viele Pensionspferdehaltungsbetriebe, die schliessen müssen.

Als Einsteller hat jeder sicher seine eigene Vorstellung und vor allem Prioritäten, was die Anforderungen an die Anlage, an die Haltung, an die Fütterung und auch an die Trainingsmöglichkeiten betrifft.

Wer allerdings Qualität möchte, muss auch bereit sein, sie zu zahlen. Das beginnt beim Service, dem Personal, den Möglichkeiten und nicht zuletzt bei der Fütterung.
Qualität kann sicher gestaffelt sein, ist aber niemals billig.

Wir selber kennen beide Seiten: die als Pensionäre und die als Stallbetreiber, die Pensionspferdeplätze anbieten.

Mit diesen Erfahrungen zählen wir hier mal ein paar Fragen auf, die Sie sich als Pensionär fragen sollten und entscheiden, ob die Kriterien für Sie wichtig sind.  Und wer weiss, vielleicht sind hier Fragen dabei, an die Sie noch nie gedacht haben....

Fragen zur Haltung 
  1. Sind Ihnen nachhaltige/ ökologische Einstreukonzepte wichtig?
  2. Möchten Sie, dass Ihr Pferd möglichst stressarm in eine bestehende Gruppe eingegliedert wird?
  3. Möchten Sie, dass die Gruppen nicht ständig wechseln?
  4. Möchten Sie, dass der Futter, Einstall und Tränkebereich täglich kontrolliert und regelmässig gereinigt wird? 
  5. Möchten Sie, dass die Böden der Individual- und Laufstallhaltung regelmässig mit Naturprodukten behandelt werden, um so Fäulnisbakterien weitestgehend zu kontrollieren und statt einer Fäulnis, Verottung in Gang gesetzt wird? 
  6. Ist es Ihnen wichtig, dass die Pferde auch im Winter draussen sein können?

Fragen zur Fütterung
Kontrolle Heulage durch Facility Manager Thomas Duif

  1. Möchten Sie erstklassiges Futter verfüttert haben?
  2. Möchten Sie, dass Rauhfutter, welches den Qualitätsstandards nicht entspricht, NICHT verfüttert wird?
  3. Möchten Sie eine pferdegerechte Fütterung (slow feeder)?
  4. Möchten Sie, dass die Futtermittel regelmässig kontrolliert werden?
Fragen zur Anlage
  1. Ist Ihnen eine Reithalle wichtig?
  2. Ist Ihnen ein Reitplatz oder Reitplätze wichtig?
  3. Ist Ihnen ein Roundpen wichtig?
  4. Sind Ihnen sanitäre Anlagen wichtig?
  5. Ist Ihnen wichtig, dass die Anlage Haftpflicht versichert ist?
  6. Möchten Sie ein effizientes Weidemanagement?
  7. Ist Ihnen ein Seminarraum, bzw. Aufenhaltsraum wichtig?
  8. Ist Ihnen ein weitläufiges Ausreitgelände wichtig?
  9. Ist Ihnen eine gute Erreichbarkeit der Anlage wichtig?
Fragen zur Ausbildung
  1. Möchten Sie Unterricht in dem Stall, in dem Sie Ihr Pferd/ Ihre Pferd einstellen?
  2. Ist Ihnen wichtig, dass auch Ihr Pferd vor Ort ausgebildet werden kann?
  3. Ist Ihnen wichtig, dass die Ausbilder über eine Reitlehrerhaftpflicht verfügen?
  4. Ist Ihnen wichtig, dass die Ausbilder Qualitätsstandards unterliegen?
  5. Ist es Ihnen wichtig, dass die Ausbilder sich weiterbilden?
  6. Ist Ihnen eine umfangreiche Lernbibliothek wichtig?
  7. Sind Ihnen Ausbildungsmöglichkeiten (Kurse) wichtig?

Fragen zum Service/ Personal
  1. Ist Ihnen Zusatzservice (Rein- und Rausbringen, Deckenservice, Tierarzt-/ Schmiedservice) wichtig?
  2. Möchten Sie auf ein gesamtheitliches Netzwerk zurückgreifen können (Schmied, Hufpflege, Fütterung, Zahnarzt)?
  3. Ist Ihnen ein kompetener Stallbesitzer, kompetentes Personal wichtig?
  4. Möchten Sie, dass das Personal sozialversichert ist?  
  5. Möchten Sie, dass das Personal angemessen entlohnt wird?

Je mehr Kriterien Sie mit "ja" beantworten, desto mehr Qualität können Sie erwarten. Dabei sind hier einige Faktoren, wie Maschinenpark, zusätzliches Equipment, Sattelkammern, Parkplätze, Hängerparkplätze, Gastboxen, Gastpaddocks, usw. nicht aufgeführt, spielen aber ebenfalls eine Rolle.

Wir persönlich freuen uns über eine solche Einstellung und nehmen deshalb gerne Pensionäre auf, die diesen Anspruch mit uns teilen, weil sie verstanden haben, dass Pferdehaltung eben nicht gleich Pferdehaltung ist. Wir können von unserem Betrieb behaupten, dass alle Fragen mit ja beantwortet werden können und darauf sind wir sehr stolz. 

Deshalb ist es uns wichtig, dass es für beide Seiten passt, denn Pensionspferdehaltung ist Vertrauenssache -auf beiden Seiten-.







Freitag, 3. April 2015

Die Skala der Ausbildung -Losgelassenheit-


Was heisst das eigentlich genau? Das zu erklären ist ganz einfach und doch umfangreich.

Das Bild soll mir dabei helfen, was "loslassen" für unser Pferde bedeutet.

Visuell ist es noch recht einfach zu erklären: wie das Bild zeigt hat das mit einer Entspannung zu tun, die sich z.B. in einer Dehnung äussert, den Kopf zu senken, die Muskeln zu entspannen, die für die Instikte wie z.B. Flucht verantwortlich sind:

  • Unterhalsmuskulatur. Ist diese angespannt, ist das Pferd im Fluchtmodus, es reagiert also instiktiv, denn mit einem erhobenen Kopf lässt sich die Umwelt besser überschauen und auch mein Gegenüber, dem ich vielleicht (noch) nicht vertraue.
  • Hinterhandmuskulatur. Da ist der Motor für die Flucht und für Fluchtverhalten (Steigen, Schlagen mit den Vorderhufen, Flucht nach vorne durch (weg-)rennen.
  • Nackenband (Schweifrübe/ Rücken). Bekanntlich ist das ein zusammenhängendes Band. Ist der Schweif also nicht entspannt, wird auch der Rücken und das Nackenband nicht entspannt sein.
Dies Grafik zeigt sehr deutlich, welche Bedeutung das Nackenband bei Entspannung und Anspannung hat und verdeutlich auch, was mit den Wirbeln in der jeweiligen Haltung passiert.
 Vom Prinzip her müssen wir als Menschen, die ja zu den Raubtieren erst einmal verstehen, was es heisst für ein Pferd, welches zu den Fluchttieren gehört, loszulassen. Ein Fluchttier, dessen Instikt auf Überleben programmiert ist, gegenüber dem ultimativen Raubtier, dem Menschen?

WOW, das ist doch eine echte Herausforderung.

Vielleicht können wir uns so vorstellen, wie kontraproduktiv es ist, ein Pferd mechanisch in eine "Dehnungshaltung" zu zwingen, für die es mental und emotional gar nicht bereit ist.


Der Begriff Losgelassenheit sagt es schon als Solches, sie kommt von innen. Das kann das Pferd dann durch einer Dehnung oder Abschnauben zum Ausdruck bringen und ist das Ergebnis von innerer Losgelassenheit.

Vereinfacht gesagt, das, was wir visuell in Form einer Dehnung wahrnehmen, das physische Ergebnis eines positiven mentalen und emotionalen Zustandes.

Dehnung ist allerdings nicht gleich Dehnung. Bei einer gesunden Dehnung, ist die Nase des Pferdes vor der Senkrechten und das Pferd geht aktiv vorwärts, ohne den Takt zu verlieren. Bei der Grafik mit den beiden Pferden sieht man eine sehr schöne aktive Dehnung im Trab (links).


Ein solches Ergebnis ist ohne mechanische Hilfsmittel wie z.B. Hilfszügel erreichbar, indem wir -ähnlich wie schon beim Takt erklärt-, den Pferden Zeit geben und ihnen zuhören, ob sie losgelassen sein können. Wenn sie das nicht sind, sollten wir uns fragen warum und wie wir ihnen durch Strategien helfen können, Losgelassenheit und damit Entspannung zu erreichen.

Man kann hier gut erkennen, dass das Thema Losgelassenheit auch hier nicht auf das Reiten beschränkt ist. Vom Boden können wir unsere Pferde gut beobachten um einschätzen zu können, ob sie losgelassen sind und ihnen auch oder vor allem am Boden helfen, losgelassen zu werden.

Auch hier helfen uns wieder die 7 Spiele am Boden. Oft ist das, was vom Boden gemacht wird auf Longieren beschränkt. Wir nehmen uns dabei aber eine tolle Chance, unsere Pferde in verschiedenen Bereichen zu stimulieren und von ihnen zu lernen, als sie ausschliesslich im Kreis laufen zu lassen.

Es ist die Aufgabe des Menschen, Pferde besser zu verstehen anstatt unsere Pferde auf für sie unnatürliche Weise zu konditionieren. Das hat auch hier wieder mit einem soliden Fundament zu tun, welches sich Schritt für Schritt ausbaut.

Warum eine nicht erzwungene Losgelassenheit so wichtig ist? Wir möchten doch alle, dass unsere Pferde gesund bleiben und alt werden. Das können sie aber nur, wenn wir ihnen helfen, zu lernen, mental und emotional stabil(er) zu sein. Wir können keine Instinkte unterdrücken oder löschen, was wir ja auch nicht wollen, wir können ihnen aber helfen durch mentale und emotionale Fitness mit diesen Instikten umzugehen.
Ein Beispiel: Jeder von uns kennt negative Situationen und es gibt negative Situationen, die immer wiederkehren. Wann wird ein solches negatives Erlebnis für uns weniger negativ oder vielleicht sogar positiv? Ganz einfach, wenn diese Situation durch ein positives Ergebnis "entschärft" wird. Das ist z.B. eine der Strategien, wie wir unseren Pferden helfen können.

Wenn unsere Pferde nicht losgelassen sind, sind sie wie eingangs beschrieben in einem instinktivem Modus. Dieser Modus erlaubt es den Pferden nicht zu lernen, weil das Überleben an erster Stelle steht. Dieser Fluchtinstinkt wird nicht dadurch abgeschaltet, indem wir unsere Pferde mechanisch in eine Position zwingen, sondern nur dann, wenn wir dem Pferd erlauben zu lernen, es durch positive Reize bestätigen.

Durch die 7 Spiele erlangen unsere Pferde mehr mentale und emotionale Fitness, was auch für uns gilt. Diese innere Fitness führt dann zu äusserlichen -physischen- Fitness. Dazu kommen noch die Parelli Muster und das Wissensgebiet der Horsenalities, welches uns hilft, unsere Pferde besser zu verstehen und zu begreifen, wie Pferde eigentlich lernen.

Ohne diese innere Entspannung brauchen wir uns nicht dem nächsten Punkt Anlehnung widmen.

Mittwoch, 1. April 2015

Skala der Ausbildung -Takt-

Takt und Rythmus gehören zusammen. Zur Vereinfachung denke ich z.B. an ein Metronom, welches sich immer im vorgegebenen Takt bewegt oder ein Lied, welches immer den selben Rythmus hat.

Unsere Pferd funktionieren aber nicht mechanisch wie ein Metronom oder haben immer den gleichen Rythmus wie ein Lied. Sie können Takt und Rythmus verlieren indem sie schneller oder langsamer werden, anhalten oder den Ryhtmus durch Stolpern gänzlich verlieren.

Ein Pferd kann nur im Takt gehen, wenn es emotional und mental stabil ist. Das heisst, dass mein Pferd durch ein solides mentales und emotionales Fundament Takt und damit Rythmus halten kann. Ein Pferd, welches demotiviert ist, wird den Takt nicht halten können, es hat die Tendenz langsamer zu werden oder stehen zu bleiben. Ein Pferd, welches unsicher oder ängstlich ist, wird den Takt ebenfalls nicht halten können, manche Pferden werden in solchen Situation eher schneller und reagieren mit dem Fluchtinstinkt, andere Pferde werden unsicher und werden eher langsamer, zurückhaltend.

Egal, wie das Pferd auch reagiert, die Ursache ist nicht physisch, so dass eine "physische" Strategie auch nicht angebracht wäre. Das wäre dann z.B. das Bremsen eines Pferdes, welches schneller wird bzw. das Vorwärtstreiben, bzw. Vorwärtsschicken eines Pferdes, welches langsamer wird, bzw. stehen bleibt.

Die Lösung liegt in der Ursache: mental bzw. emotional. Wenn wir also überhaupt einmal die Ursache erkennen, was der Grund ist, warum mein Pferd den Takt nicht halten kann, können wir auch Strategien entwickeln, die meinem Pferd langfristig helfen, in dem Fall den Takt zu finden, weil wir versuchen, unsere Pferde zu verstehen und Strategien entwickeln, die dem natürlichen Verhalten der Pferde gerecht wird. Dazu gehört z.B. der Aufbau von emotionaler und mentaler Fitness unserer Pferde und auch zu verstehen, welche Persönlichkeit mein Pferd hat (Horsenality), damit ich seinem Typ entsp. Strategien und Muster aufbauen kann. Diese Strategien und Muster erlernen wir durch das Parelli Level System und den einzelnen Savvys (Bereiche), welches uns das Wissen und die Fertigkeiten vermittelt, damit wir unsere Pferde besser verstehen. Mit diesem Wissen und den Fertigkeiten bauen  wir ein positive Beziehung mit unserem Partner Pferd auf.

Takt hat also auch etwas mit Regelmässigkeit und wiederholenden Sequenzen zu tun. Das ist genau das, was uns die Parelli Muster (Patterns) lehren. Stabilität (Konsistenz) durch Wiederholung.

Ich vergleiche emotionale Fitness gerne mit einem 10m Brett im Schwimmbad. Die wenigsten von uns würden wahrscheinlich darunter springen, obwohl es physisch ja keine grosse Herausforderung ist, wenn man mal nur den Punkt bedenkt, einen Schritt nach vorne zu machen. Es braucht emotionale Fitness, diesen Schritt nach vorne zu wagen. Würde sich unsere emotionale Fitness verbessern, wenn jemand hinter uns steht und immer wieder auf uns einredet "Ist doch nur ein kleiner Schritt, jetzt mach doch" oder uns sogar vom Brett stösst? Wie oft haben wir auf unsere Pferde schon eingeredet, anstatt ihre emotionale Fitness durch Teilschritte zu verbessern, Erfolgserlebnisse zu vermitteln?

Mentale Fitness hat etwas mit Motivation zu tun. Oder anders gesagt, wie oft haben wir unsere Pferde schon demotiviert, indem wir noch ein bisschen mehr und nochmal gefragt haben, keine Pause gemacht haben, wenn es gut war. Wie sollen unsere Pferde sonst verstehen, wenn es gut war, damit sie noch motivierter werden?

So verstehe ich mehr, warum z.B. Dr. Reiner Klimke der Meinung der Meinung war, dass nur ein losgelassenes Pferd Takt entwickeln kann. Ein Pferd kann aber über Takt, also Regelmässigkeit auch losgelassen werden.

Wenn mein Pferd also nicht im Takt gehen kann, muss ich mich fragen, woran das liegt und wie ich meinem Pferd helfen kann, seinen eigenen Takt zu finden.

Wir werden im Laufe der einzelnen Etappen der Ausbildungsskala mehr und mehr erkennen, dass die Strategie in einer psychologischen Herangehensweise liegt und nicht physisch oder mechanisch.

Das gibt extra Beziehungspunkte mit unseren Pferd und wir erreichen so ein solides Fundament anstatt ein Kartenhaus, welches für den Moment funktioniert, langfristig aber instabil ist.

Donnerstag, 26. März 2015

Die Skala der Ausbildung und Parelli


Was hat jetzt die Skala der Ausbildung mit Parelli zu tun?
Wie ich finde, sehr viel und dabei spielt es keine Rolle, ob wir die Skala vom Boden bzw. im Sattel anschauen.
Die Skala der Ausbildung ist ein Prozess, den wir gemeinsam mit unseren Pferden über die Jahre aufbauen und deren einzelne Schritte wir bei jeder Session mit unseren Pferden erneut überprüfen.


Die Skala ist eine Checkliste, ob mein Pferd und auch ich bereit für den nächsten Schritt dieser Ausbildungsskala sind und wo wir gerade stehen.


Wenn wir die einzelnen Schritte einhalten, keine übergehen, dann sind wir mit unserem Partner Pferd auf dem richtigen Weg zu mentaler, emotionaler und physischer Fitness.


Es geht hier aber weniger darum die Skala als eine chronologische Abfolge zu sehen, sondern zu verstehen, dass die einzelnen Punkte Vorraussetzung für den nächsten Punkt sind -also ineinander greifen-. Die Skizze mit den Pfeilen zeigt das sehr schön.


Persönlich gehe ich bei jeder Session durch, wo mein Pferd und ich gerade stehen und ob wir bereit für den nächsten Schritt sind oder ob der jeweilige Punkt, wo wir stehen noch nicht solide genug ist.


Man würde z.B. beim Häuserbau auch kein Mauerwerk auf ein Fundament setzen, welches nicht solide ist und wenn das Mauerwerk nicht solide ist, auch kein Dachstuhl darauf setzen. Auch hier hängt das Gesamtbild von der Qualität der einzelnen Bauetappen ab und bei der Skala der Ausbildung ist das ebenso.



Ich möchte jeden Punkt der Skala einzeln beleuchten und welche Bedeutung er für uns und unsere Pferde hat, wie ich die einzelnen Punkte erkennen kann, wo die Herausforderungen liegen und welche Strategien uns und unseren Pferden helfen -egal ob vom Boden oder im Sattel-.